Mir ist schlecht und ich weine du sagst was ist los ich sag' nichts alles du sagst was alles, und ich sag' alles ist anders du sagst inwiefern und ich sag' der Lärm! Er breitet sich aus du gehst raus schreist kurz komm rein sag' ich. Alles ist anders weisst du? Wie, fragst du und ich zähle auf dann lass ich's und du sag' ich verstehst nichts träumst nicht gehst einfach immer sag ich.
Komisch sagst du es regnet ja draussen und sonst so frag' ich alles okay, sagst du. Grinsend schweifen wir aneinander vorbei oder oder was fragst du nichts sag' ich und mir ist schlecht immer noch fragst du ja. Ja warum ändern sich Sachen immer so und nach dem Lachen steh' ich da und versteh' gar nichts mehr du auch nicht frag ich nein sagst du. Langweilig wär' es ohne die Einmischung der Zeit sagst du philosophisch irgendwie und ich weine noch aber sage ja und traurig mit oder?
Oder? Oder? Oder? Oder?
Nein sagst du traurigsein ist eine Entscheidung das bin ich frag' ich eine Entscheidung ich weiss ja sag' ich für was du dich entscheidest die Freiheit ohne Risiko und ewig wartest du sag' ich auf was?
Ach herrje sagst du auf garnichts doch sag' ich auf irgend etwas immer auf dass du nicht mehr meinst du müsstest warten du lachst.
Der Gedanke ist zu verwirrend sagst du ich nicke aber wahr sag' ich du glaubst nämlich dass du dann weisst wenn du nicht mehr warten musst, was fragst du ich wiederhole aber nicht tschüss sagst du.
Ich nicke.
litritscha
Dienstag, 28. Juni 2011
Montag, 27. Juni 2011
Tintenfischschwarz
Deine schwarzen Augen sehen mich an. Ich habe noch nie solche Augen wie diese gesehen … Und obwohl sie alles sind, was ich will, weiß ich, dass das mit uns einem schwarzen Abgrund gleicht. In den ich falle und falle und falle … und du bist nicht da, um mich aufzufangen. Denn du stehst oben und hast mich herab geworfen.
Wenn ich dir in die Augen sehe, habe ich das Gefühl ich blicke direkt in den Abgrund, in den ich fallen werde. Aber ich tue es freiwillig. Jedes Jahr aufs Neue. Jedes Jahr aufs Neue stelle ich mich an den Rand und sehe hinunter und warte nur darauf, dass du mich stößt und ich falle.
Deine Augen sind ein Versprechen. Sie sind das Versprechen, dass das nicht gut ausgeht und dennoch … dennoch hoffe ich jedes Mal, dass es doch noch irgendeine Möglichkeit gibt … aber die Hoffnung ist nur die Gespielin der Ohnmacht. Sie ist ein Biest. Sie gibt einem einen Moment Kraft, um einen dann wieder zu enttäuschen. Die Hoffnung scheint deine beste Freundin zu sein, deine Affäre. Deine große Liebe. Obwohl ich da bin und warte um all das für dich zu sein. Aber im Grunde warte ich nur auf den Fall. Und er kommt jedes Mal. So zuverlässig wie die Sonne im Westen untergeht und die Welt in Tintenfischschwarz taucht …
Wenn ich dir in die Augen sehe, habe ich das Gefühl ich blicke direkt in den Abgrund, in den ich fallen werde. Aber ich tue es freiwillig. Jedes Jahr aufs Neue. Jedes Jahr aufs Neue stelle ich mich an den Rand und sehe hinunter und warte nur darauf, dass du mich stößt und ich falle.
Deine Augen sind ein Versprechen. Sie sind das Versprechen, dass das nicht gut ausgeht und dennoch … dennoch hoffe ich jedes Mal, dass es doch noch irgendeine Möglichkeit gibt … aber die Hoffnung ist nur die Gespielin der Ohnmacht. Sie ist ein Biest. Sie gibt einem einen Moment Kraft, um einen dann wieder zu enttäuschen. Die Hoffnung scheint deine beste Freundin zu sein, deine Affäre. Deine große Liebe. Obwohl ich da bin und warte um all das für dich zu sein. Aber im Grunde warte ich nur auf den Fall. Und er kommt jedes Mal. So zuverlässig wie die Sonne im Westen untergeht und die Welt in Tintenfischschwarz taucht …
Ich komme nie unten an. Ich falle, um dann wieder von dir aufgefangen zu werden, wenn du dich entschieden hast, mich abermals in dein Leben zu lassen. Und wieder trägst du mich nach oben, wieder trägst du mich auf Händen, nur um mich dann abermals fallen zu lassen … aber diesmal lande ich. Diesmal komme ich unten an und dann gibt es keine Leiter mehr, die mich zu dir nach oben bringen kann und wenn doch, werde ich sie niederbrennen und das Tintenfischschwarz verdrängen und alles in Flammen setzen, um kein Schwarz mehr übrig zu lassen.
Denn obwohl deine beste Freundin die Hoffnung ist, habe ich die Wut auf meiner Seite, die Wut, mein bester Freund … der genauso zuverlässig kommt, wie deine schwarzen Augen mich um den Verstand bringen …
Denn obwohl deine beste Freundin die Hoffnung ist, habe ich die Wut auf meiner Seite, die Wut, mein bester Freund … der genauso zuverlässig kommt, wie deine schwarzen Augen mich um den Verstand bringen …
Und diesmal lasse ich keinen Platz für die Hoffnung. Diesmal ist da nur die Wut. Denn wenn ich unten ankomme, bin ich allein, aber ich bin nicht so einsam, wie ich es mit dir zusammen bin.
Noch falle ich zwar, aber der Boden kommt immer näher … immer näher ...
Noch falle ich zwar, aber der Boden kommt immer näher … immer näher ...
Sterbend
Ich sehe ihm schon seit einigen Tagen zu, wie das Leben langsam aus seinem schmalen Körper weicht. Wie er von Tag zu Tag an Farbe verliert und selbst die Sonne und das Wasser, das ich ihm gebe nicht mehr helfen. Mir wird klar, es ist vorbei. Ich muss mich von meinem guten, treuen Freund verabschieden, denn er stirbt ...
Angefangen hat alles ganz einfach ... im Supermarkt habe ich ihn entdeckt und bin sofort auf ihn aufmerksam geworden. Ich habe meinen Blick nicht mehr von ihm losreißen können. Er war so wunderschön, hat mir sofort Appetit auf mehr gemacht - kurz um, ich habe ihn mit nach Hause genommen. Es war Liebe auf den ersten Blick, ich kam einfach nicht an ihm vorbei.
Er war dankbar, hat mich verwöhnt und mir jeden Tag aufs Neue ein Lächeln auf die Lippen gezaubert.
Wir haben oft abends zusammen gegessen, er hat jede Mahlzeit noch appetitlicher gemacht, allein durch seine Anwesenheit. Am liebsten mochte er meine selbstgemachte Tomatensauce. Ich habe mich um ihn gekümmert, als es ihm nicht so gut ging, als der Winter kam und er sich hat hängen lassen, gleichsam hat er mich versorgt.
Meine Freunde mochten ihn auch. Jeder einzelne von ihnen fand ihn sofort sympathisch. Keiner konnte an ihm vorbeilaufen, ohne ihn eines Blickes zu würdigen. Er breitete sich bei mir zu Hause aus, als hätte er nur darauf gewartet hierher zu kommen.
Er war mein König und lasst euch das gesagt sein: Das waren 20 Zentimeter. Mindestens!
Ich war so stolz auf ihn, habe ihn gehegt und gepflegt wie meinen Augapfel … aber jetzt … er ist dabei zu sterben und ich kann nichts dagegen tun.
Unsere Beziehung hatte von Anfang an ein Verfallsdatum. Solche wie er schaffen es einfach nicht länger als vier Monate. Solche wie er können nicht lange bei jemandem bleiben.
Ich habe um Rat gefragt, was ich tun kann, um ihn zu halten … aber alles war vergebens. Er wollte nicht mehr. Er hat den Lebenswillen aufgegeben … und jetzt bleibt mir nichts anderes übrig, als ihm dabei zu zusehen, wie er sich langsam aus unsere Welt verabschiedet. Er will nicht mehr und das muss ich akzeptieren. Es ist okay, irgendwann muss jeder gehen. Aber es bricht mir das Herz. Er war doch noch so jung …
Ich weiß nicht, ob ich ihn zu Tode geliebt habe, ob ich es mit meiner Fürsorge übertrieben und ihn somit in den Tod gestürzt habe …
Aber er wird nicht mein letzter gewesen sein … da bin ich mir sicher. Wenn die richtige Zeit kommt, werde ich mich neu verlieben …
Oh, ich werde dich vermissen, du mein Basilikumstrauch!
Angefangen hat alles ganz einfach ... im Supermarkt habe ich ihn entdeckt und bin sofort auf ihn aufmerksam geworden. Ich habe meinen Blick nicht mehr von ihm losreißen können. Er war so wunderschön, hat mir sofort Appetit auf mehr gemacht - kurz um, ich habe ihn mit nach Hause genommen. Es war Liebe auf den ersten Blick, ich kam einfach nicht an ihm vorbei.
Er war dankbar, hat mich verwöhnt und mir jeden Tag aufs Neue ein Lächeln auf die Lippen gezaubert.
Wir haben oft abends zusammen gegessen, er hat jede Mahlzeit noch appetitlicher gemacht, allein durch seine Anwesenheit. Am liebsten mochte er meine selbstgemachte Tomatensauce. Ich habe mich um ihn gekümmert, als es ihm nicht so gut ging, als der Winter kam und er sich hat hängen lassen, gleichsam hat er mich versorgt.
Meine Freunde mochten ihn auch. Jeder einzelne von ihnen fand ihn sofort sympathisch. Keiner konnte an ihm vorbeilaufen, ohne ihn eines Blickes zu würdigen. Er breitete sich bei mir zu Hause aus, als hätte er nur darauf gewartet hierher zu kommen.
Er war mein König und lasst euch das gesagt sein: Das waren 20 Zentimeter. Mindestens!
Ich war so stolz auf ihn, habe ihn gehegt und gepflegt wie meinen Augapfel … aber jetzt … er ist dabei zu sterben und ich kann nichts dagegen tun.
Unsere Beziehung hatte von Anfang an ein Verfallsdatum. Solche wie er schaffen es einfach nicht länger als vier Monate. Solche wie er können nicht lange bei jemandem bleiben.
Ich habe um Rat gefragt, was ich tun kann, um ihn zu halten … aber alles war vergebens. Er wollte nicht mehr. Er hat den Lebenswillen aufgegeben … und jetzt bleibt mir nichts anderes übrig, als ihm dabei zu zusehen, wie er sich langsam aus unsere Welt verabschiedet. Er will nicht mehr und das muss ich akzeptieren. Es ist okay, irgendwann muss jeder gehen. Aber es bricht mir das Herz. Er war doch noch so jung …
Ich weiß nicht, ob ich ihn zu Tode geliebt habe, ob ich es mit meiner Fürsorge übertrieben und ihn somit in den Tod gestürzt habe …
Aber er wird nicht mein letzter gewesen sein … da bin ich mir sicher. Wenn die richtige Zeit kommt, werde ich mich neu verlieben …
Oh, ich werde dich vermissen, du mein Basilikumstrauch!
Sonntag, 26. Juni 2011
Anti-Surrealismus und die CoBrA Philosophie
Gründung, Politik, Breton
Im November, Jahr 1948, fand in Paris eine Konferenz in der „Centre international de documentation sur l’art d’avant-garde“ statt, in der vor allem Surrealismus im Vordergrund stand. Sechs Männer zeigten ihre Ablehnung in dem sie aufstanden und raus gingen, enttäuscht von dem was als Avantgarde dargestellt wurde. Aus Protest waren sie nun alle draußen; Christian Dotrement, Constant, Corneille, Asger Jorn, Joseph Noiret und Karel Appel; sie hatten einen Kaffee und den Drang was Neues zu beginnen, das avantgardistischer wäre als das was ihnen gerade in der Konferenz vorgelesen wurde.
Verschiedene Erzähler, verschiedene Quellen; verschiedene Meinungen in Bezug auf wer sich an diesem November Tag nun tatsächlich in diesem Café befand. Fakt ist, dass Dotrement ein Statement verfasste worin sich die Künstler einigten zusammen zu arbeiten; Dänen, Holländer, Belgier. Aus den jeweiligen Hauptstädten der Länder stellte sich der Name CoBrA (Copenhague, Bruxelles, Amsterdam) zusammen, und innerhalb der darauffolgenden Monate kamen mehr Künstler dazu, um Teil dieser neuen, als ‚anti-surrealistische Bewegung’ -gestarteten Künstlergruppe zu sein.
Zusammen arbeiten, ohne seine individualistische Art zu verlieren; sie wollten spontane Kunst, und die Freiheit genießen, kreativ zu sein. ‚Ils ne faisaient de l’art que pour écarter les barreaux de la prison et inviter chacun de nous faire de même’ (*1); sie wollten selbst die Antwort geben, die sie in der Konferenz gesucht hatten; aus ihren Vorstellungen und Träumen etwas reales auf die Beine stellen, um zu beweisen das Freiheit doch existierte, auch in nachkriegszeiterschüttertes Europa.
André Breton war ein Schriftsteller, Dichter und Theoretiker den man schon zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts nicht von Surrealismus trennen konnte, denn schon vor seinem Exil (wie auch danach, als er nach Kriegsende nach Frankreich zurückkehrte) erläuterte er durch Publikationen(*2) und Ausstellungen(*3) seine Definition von Surrealismus. Das Mystische hing sehr im Vordergrund, und die kommunistischen Verbindungen die Breton früher einmal pflegte lehnte er nun ab. Umso verständlicher ist es, dass obwohl Dotremont und Breton sich trafen, ihre verschiedenen Ansichten in Bezug auf Surrealismus und Politik jegliche Möglichkeiten einer zukünftigen Zusammenarbeit ausschloss. CoBrA war kommunistisch angehaucht, und von Magie oder Mystik hielten sie wenig. ‚Die Artisten der CoBrA-Gruppe teilten das kommunistische Gedankengut von Karl Max’ (*4); Breton trat nach seiner Rückkehr aus der Kommunistischen Partei aus.
Kann dadurch gleich von einer anti-surrealistischen Gruppe die Rede sein? Die Kunst von Bretons Gruppe wollte intellektualisierend wirken (Er gründete zum Beispiel im Jahr 1936 ‚Contre-Attaque’: eine Gruppe linke Intellektueller) während CoBrA einen Fokus auf eine freie, naive Kunst ausübte. Keine Kunst-Art, kein Kunstwerk wurde angestrebt; die Freiheit blieb immer im Vordergrund. Wenn sich zwei Künstler trafen, ließen sie sich ungeplant inspirieren; Zusammenarbeit war schließlich CoBrAs Aufruf zu einer Kulturrevolution:
‚(…) et c’est là que Cobra a ouvert sa plus forte originalité- le poète et le peintre travaillant par rapides alternances, jusqu’à un quasi-synchronisme, par inspiration réciproque immédiate.’(*5) Dotrements Verfassung (elf Jahre nachdem sich CoBrA bereits aufgelöst hatte) unterstreicht eine ‚Originalität’ die bei CoBrA zutrifft und einen revolutionären Beigeschmack hinterließ- und immer noch hinterlässt.
Pierre Descargues beschreibt die ‚CoBrA’ Fundamente dementsprechend simple:
‘Les fondements de COBRA? C’était tout réinventer à l’écart des générations précédentes et confronter le commencement de chacun à celui des autres. Pour voir si deux isolements réunis produisaient mieux qu’un maître et son école. Il fallait casser les circuits d’autorité pour que la volonté de recommencement ne risque en rien le nivellement.’ (*6)
Altes fallen lassen zwecks Neuerfindung, oder auch umgekehrt.
Wenn der Begriff ‚Surrealismus’ sich durch das Traumhafte und Unwirkliche(*7) bezeichnen lässt, kann man die CoBrA Bewegung nun doch nicht ganz als anti-surrealistisch darstellen. In vielen Werken erkennt man das Traumelement, bloß nicht mystisch dargestellt à la Breton, sondern kindhaft und bunt (siehe Karel Appels ‚Hip Hip Hoorah’) und mit einem Tropfen weniger Konfusion als für den Breton Surrealismus typisch war (‚Je lêve, tu lêves, nous rêvons’: Dotremont und Jorn, 1948). Der Hauch von etwas traumhaftem lässt sich aber (zum Beispiel) in ‚Danse d’espace avant la tempête’(*8) nicht verleugnen: es grenzt an abstrakte Kunst, vor dem sich CoBrA anscheinend fürchtete (*9), und in dessen Meer die Surrealisten nur allzu gerne eintauchten. Dazu muss erwähnt werden, dass dieses Bild acht Jahre nach CoBrA’s Auflösung erschienen ist, als sich die jeweiligen Künstler natürlich auch weiter oder anders entwickelt hatten.
Ein Unterschied wäre aber, dass die CoBrA Werke nicht gezielt unreal wirkten, sondern dass sie Produkte spontaner Inspiration waren. ‚(…) à donner plus de liberté à la création, à faire confiance à la spontanéité d’invention (…)’(*10) ‚Freiheit’ schien für CoBrA auf der Wichtigkeitsebene den Höhepunkt zu besetzen den das ‚Traumhafte’ für Surrealisten repräsentierte.
Wenn Bretons Surrealismus aus eine Reaktion zu der Realismus-geprägten Nachkriegszeit stammte(*11) wäre es stark nachvollziehbar, dass die avantgardistischere Bewegung CoBrA war. Sie wollten nicht auf die Kulturleere reagieren indem sie aus dem Realismus in eine unbewusste, surrealistische Ebene wandern. Sie wollten etwas Neues; etwas das nicht auf die Vergangenheit basiert ist oder sich gegen ihr strebt, sondern etwas dass die (unter anderem durch Krieg) vergessene Freiheit verkörpert und dadurch die Kreativität ihren freien Lauf überlässt.
^^
* =
1-Pierre Descargues in Cobra-singulier pluriel- Les Œuvres collectives 1948-1995, Geneviève François (Hrsg.) Paris 1998. S.12.
2-Manifeste du Surréalisme, Éditions du Sagittaire, 1924. Second manifeste du surréalisme, 1930, réédité en 1946. Dictionnaire abrégé du surréalisme- Photographies, illustrations, lettrines, Éditions Corti, Paris 1938.
3-Exposition Internationale du Surréalisme ; Beaux-Arts Galerie, Paris 1938. Le Surréalisme en 1947 ; Maeght Galerie, Paris 1947.
4-Cobra Museum für moderne Kunst in Amstelveen, CoBrA-Bewegung; http://www.iamsterdam.com/de/visiting/sehen/cobramuseum
5-Cobra écriture Peinture; Christian Dotrement in Cobra-singulier pluriel- Les Œuvres collectives 1948-1995, Geneviève François (Hrsg.) Paris 1998. S.7.
6-Pierre Descargues in Cobra-singulier pluriel- Les Œuvres collectives 1948-1995, Geneviève François (Hrsg.) Paris 1998. S.10.
7-Erstes Manifest des Surrealismus; André Breton, Paris 1924.
8-Karel Appel, 1959.
9-Angeblicher Brief von Dotremont an Jorn: Kein Exemplar auffindbar: The assault on culture, chapter 1: CoBrA (http://www.stewarthomesociety.org/ass/cobra.htm)
10-Pierre Descargues in Cobra-singulier plurie- Les Œuvres collectives 1948-1995l, Geneviève François (Hrsg.) Paris 1998. S.12.
11-Approche institutionnelle du premier surréalisme; Bertrand/Dubois/Durand, 1919-1924.
Im November, Jahr 1948, fand in Paris eine Konferenz in der „Centre international de documentation sur l’art d’avant-garde“ statt, in der vor allem Surrealismus im Vordergrund stand. Sechs Männer zeigten ihre Ablehnung in dem sie aufstanden und raus gingen, enttäuscht von dem was als Avantgarde dargestellt wurde. Aus Protest waren sie nun alle draußen; Christian Dotrement, Constant, Corneille, Asger Jorn, Joseph Noiret und Karel Appel; sie hatten einen Kaffee und den Drang was Neues zu beginnen, das avantgardistischer wäre als das was ihnen gerade in der Konferenz vorgelesen wurde.
Verschiedene Erzähler, verschiedene Quellen; verschiedene Meinungen in Bezug auf wer sich an diesem November Tag nun tatsächlich in diesem Café befand. Fakt ist, dass Dotrement ein Statement verfasste worin sich die Künstler einigten zusammen zu arbeiten; Dänen, Holländer, Belgier. Aus den jeweiligen Hauptstädten der Länder stellte sich der Name CoBrA (Copenhague, Bruxelles, Amsterdam) zusammen, und innerhalb der darauffolgenden Monate kamen mehr Künstler dazu, um Teil dieser neuen, als ‚anti-surrealistische Bewegung’ -gestarteten Künstlergruppe zu sein.
Zusammen arbeiten, ohne seine individualistische Art zu verlieren; sie wollten spontane Kunst, und die Freiheit genießen, kreativ zu sein. ‚Ils ne faisaient de l’art que pour écarter les barreaux de la prison et inviter chacun de nous faire de même’ (*1); sie wollten selbst die Antwort geben, die sie in der Konferenz gesucht hatten; aus ihren Vorstellungen und Träumen etwas reales auf die Beine stellen, um zu beweisen das Freiheit doch existierte, auch in nachkriegszeiterschüttertes Europa.
André Breton war ein Schriftsteller, Dichter und Theoretiker den man schon zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts nicht von Surrealismus trennen konnte, denn schon vor seinem Exil (wie auch danach, als er nach Kriegsende nach Frankreich zurückkehrte) erläuterte er durch Publikationen(*2) und Ausstellungen(*3) seine Definition von Surrealismus. Das Mystische hing sehr im Vordergrund, und die kommunistischen Verbindungen die Breton früher einmal pflegte lehnte er nun ab. Umso verständlicher ist es, dass obwohl Dotremont und Breton sich trafen, ihre verschiedenen Ansichten in Bezug auf Surrealismus und Politik jegliche Möglichkeiten einer zukünftigen Zusammenarbeit ausschloss. CoBrA war kommunistisch angehaucht, und von Magie oder Mystik hielten sie wenig. ‚Die Artisten der CoBrA-Gruppe teilten das kommunistische Gedankengut von Karl Max’ (*4); Breton trat nach seiner Rückkehr aus der Kommunistischen Partei aus.
Kann dadurch gleich von einer anti-surrealistischen Gruppe die Rede sein? Die Kunst von Bretons Gruppe wollte intellektualisierend wirken (Er gründete zum Beispiel im Jahr 1936 ‚Contre-Attaque’: eine Gruppe linke Intellektueller) während CoBrA einen Fokus auf eine freie, naive Kunst ausübte. Keine Kunst-Art, kein Kunstwerk wurde angestrebt; die Freiheit blieb immer im Vordergrund. Wenn sich zwei Künstler trafen, ließen sie sich ungeplant inspirieren; Zusammenarbeit war schließlich CoBrAs Aufruf zu einer Kulturrevolution:
‚(…) et c’est là que Cobra a ouvert sa plus forte originalité- le poète et le peintre travaillant par rapides alternances, jusqu’à un quasi-synchronisme, par inspiration réciproque immédiate.’(*5) Dotrements Verfassung (elf Jahre nachdem sich CoBrA bereits aufgelöst hatte) unterstreicht eine ‚Originalität’ die bei CoBrA zutrifft und einen revolutionären Beigeschmack hinterließ- und immer noch hinterlässt.
Pierre Descargues beschreibt die ‚CoBrA’ Fundamente dementsprechend simple:
‘Les fondements de COBRA? C’était tout réinventer à l’écart des générations précédentes et confronter le commencement de chacun à celui des autres. Pour voir si deux isolements réunis produisaient mieux qu’un maître et son école. Il fallait casser les circuits d’autorité pour que la volonté de recommencement ne risque en rien le nivellement.’ (*6)
Altes fallen lassen zwecks Neuerfindung, oder auch umgekehrt.
Wenn der Begriff ‚Surrealismus’ sich durch das Traumhafte und Unwirkliche(*7) bezeichnen lässt, kann man die CoBrA Bewegung nun doch nicht ganz als anti-surrealistisch darstellen. In vielen Werken erkennt man das Traumelement, bloß nicht mystisch dargestellt à la Breton, sondern kindhaft und bunt (siehe Karel Appels ‚Hip Hip Hoorah’) und mit einem Tropfen weniger Konfusion als für den Breton Surrealismus typisch war (‚Je lêve, tu lêves, nous rêvons’: Dotremont und Jorn, 1948). Der Hauch von etwas traumhaftem lässt sich aber (zum Beispiel) in ‚Danse d’espace avant la tempête’(*8) nicht verleugnen: es grenzt an abstrakte Kunst, vor dem sich CoBrA anscheinend fürchtete (*9), und in dessen Meer die Surrealisten nur allzu gerne eintauchten. Dazu muss erwähnt werden, dass dieses Bild acht Jahre nach CoBrA’s Auflösung erschienen ist, als sich die jeweiligen Künstler natürlich auch weiter oder anders entwickelt hatten.
Ein Unterschied wäre aber, dass die CoBrA Werke nicht gezielt unreal wirkten, sondern dass sie Produkte spontaner Inspiration waren. ‚(…) à donner plus de liberté à la création, à faire confiance à la spontanéité d’invention (…)’(*10) ‚Freiheit’ schien für CoBrA auf der Wichtigkeitsebene den Höhepunkt zu besetzen den das ‚Traumhafte’ für Surrealisten repräsentierte.
Wenn Bretons Surrealismus aus eine Reaktion zu der Realismus-geprägten Nachkriegszeit stammte(*11) wäre es stark nachvollziehbar, dass die avantgardistischere Bewegung CoBrA war. Sie wollten nicht auf die Kulturleere reagieren indem sie aus dem Realismus in eine unbewusste, surrealistische Ebene wandern. Sie wollten etwas Neues; etwas das nicht auf die Vergangenheit basiert ist oder sich gegen ihr strebt, sondern etwas dass die (unter anderem durch Krieg) vergessene Freiheit verkörpert und dadurch die Kreativität ihren freien Lauf überlässt.
^^
* =
1-Pierre Descargues in Cobra-singulier pluriel- Les Œuvres collectives 1948-1995, Geneviève François (Hrsg.) Paris 1998. S.12.
2-Manifeste du Surréalisme, Éditions du Sagittaire, 1924. Second manifeste du surréalisme, 1930, réédité en 1946. Dictionnaire abrégé du surréalisme- Photographies, illustrations, lettrines, Éditions Corti, Paris 1938.
3-Exposition Internationale du Surréalisme ; Beaux-Arts Galerie, Paris 1938. Le Surréalisme en 1947 ; Maeght Galerie, Paris 1947.
4-Cobra Museum für moderne Kunst in Amstelveen, CoBrA-Bewegung; http://www.iamsterdam.com/de/visiting/sehen/cobramuseum
5-Cobra écriture Peinture; Christian Dotrement in Cobra-singulier pluriel- Les Œuvres collectives 1948-1995, Geneviève François (Hrsg.) Paris 1998. S.7.
6-Pierre Descargues in Cobra-singulier pluriel- Les Œuvres collectives 1948-1995, Geneviève François (Hrsg.) Paris 1998. S.10.
7-Erstes Manifest des Surrealismus; André Breton, Paris 1924.
8-Karel Appel, 1959.
9-Angeblicher Brief von Dotremont an Jorn: Kein Exemplar auffindbar: The assault on culture, chapter 1: CoBrA (http://www.stewarthomesociety.org/ass/cobra.htm)
10-Pierre Descargues in Cobra-singulier plurie- Les Œuvres collectives 1948-1995l, Geneviève François (Hrsg.) Paris 1998. S.12.
11-Approche institutionnelle du premier surréalisme; Bertrand/Dubois/Durand, 1919-1924.
Schlafen/Aufwachen
Welch schreckliche Vorstellung, dachte ich bloß, und sagte nichts. Sie liefen davon und ich blieb stehen, wie immer, am selben Fleck. Doch sind wir schon alt genug uns darüber Gedanken zu machen? Ich glaube ich fürchte mich. Ziemlich intensiv, sogar. Es nützt hier auch wenig, mir irgendetwas erklären zu wollen, denn am Ende sitze ich dort und weine - dort, ja da drüben halt, wo ich allein sein kann.
Fluchen wollte ich, aber ich wurde doch so gut erzogen! Ich rauchte eine Zigarette (als ob dies Teil meiner guten Erziehung wäre) und traute mich nun doch darüber zu reflektieren, denn vorbereitet zu sein ist sicher die hervorstechende Präferenz. Oder nicht? Keine Ahnung. Unsere Eltern werden alt, hat er gesagt, und sie hat genickt! Alles Verräter… wozu hat man überhaupt noch Freunde, wenn sie nicht mehr dazu dienen, einen blind zu halten im Angesicht einer schaurigen Enthüllung? Wir sollten sie öfters besuchen, öfters anrufen, ihnen öfters unsere Liebe entgegenbringen; sie nicht so häufig anschreien, nicht wütend auflegen, nicht die Augen rollen… Ich nahm mir ein paar Jugendbilder meiner Mutter in die Hand, und fühlte die Jahre, die zwischen uns lagen. Ernsthaft, ich musste mich nicht einmal auf die Kleidung fokussieren, denn ihren Augen leuchteten mit einem gewissen Etwas, dass ich nie in echt gesehen habe; kindliche Freude, das Dasein-Ohne-Kind. Ihre Freundin auf dem Bild hat sie auf der Uni kennen gelernt, und jetzt weiß sie nicht wo sie wohnt - Kontakt haben sie seit circa dreißig Jahren nicht mehr gehabt. Dabei waren sie doch genau wie wir (!): rauchen, Uni, lachen, tanzen, versprechen, und die Welt mit allen momentanen Gegebenheiten als selbstverständlich sehen. Dann kam dies, und jenes, und plötzlich geht man auf die sechzig zu und spricht vom 'Jungbleiben'. Ich will nicht daran denken, denn ich bin jung und habe mir bis jetzt immer eingebildet, meine Zukunft, inklusiv altern, problemlos akzeptieren zu können, freudig zu erwarten, ihr sachte entgegen zu schlendern. Jungsein ist schön, es ist schwerelos, es ist so derartig präsent, dass wir es doch gar nicht in Frage stellen müssen/wollen, oder? Vor allem die jetzige Generation, verhüllt in der konstanten Ambivalenz des Bindungswahns: wir denken bis übermorgen, dort wo unsere Diplome noch wichtig sind, bis da drüben, wo wir ja nicht inakzeptabel wirken möchten. Wir denken schon, keine Angst, doch nicht an unsere Eltern, denn wir möchten nicht wahrnehmen, dass unsere Mütter irgendwann nicht am anderen Ende der Leitung sein werden, um unsere Klagen zu empfangen, und unsere Väter werden ja wohl niemals zerbrechlich sein! Welch lächerliche Einbildung.
Aber wenn es doch tatsächlich eine Zeit gab wo unsere Eltern so waren wie wir, so sorgfrei (lasst es uns zugeben…) und lustig, so Sexbesessen und 'jung', dann muss extrem viel Zeit vorbeigeflogen sein, und sie lauert dann auch sicher irgendwo und wartet auf eine Angriffsmöglichkeit. Sie wird herausspringen und uns allen in unserer egozentrischen Existenz anspucken, lachen, uns zum stolpern bringen und danach kopfschüttelnd in der Ecke Platz nehmen, um zu sehen wie wir von nun an vorwärts kommen. Ich möchte aber nicht angespuckt werden - wie grauselig! Steht man dazwischen irgendwann nachts auf und ertappt die Zeit, wie sie herumlungert und die Jahre vorspult? Erkennt man dann im Halbschlaf oder im Suff, wie sie uns hinterher spioniert, oder nicht? Ich will's wissen, und zwar jetzt sofort, denn in zehn Jahren bin ich doch erst Mitte dreißig, da können meine Eltern noch nicht alt sein, da brauch ich die ja noch, eventuell zum Babysitten oder zum mir Geld leihen. Ich will wissen in welchem Ausmaß die Traurigkeit mich überfallen wird, wenn ich meine Jugendbilder anschaue, und ob ich mich inmitten der ganzen Nostalgie trauen werde, sie überhaupt irgendjemandem zu zeigen, der nicht genau so viele Falten hat wie ich.
Ich fluchte doch, und rief meine Mutter unter Tränen an, schluchzte dass ich sie doch so liebe und möge sie mich bitte nicht so bald verlassen? Welche Drogen nimmst du, schrie sie zurück und ich brachte keine Wörter raus, denn wenigstens war sie ja noch da! Und bei Sinnen genug um mit mir zu reden, welch Glück! Welch Glück… ich legte auf und weinte weiter, denn das Jetzt war mir nun doch allzu kurz und zeitverwandt, ich will mich nicht in einer anderen Konstellation wiederfinden, die Uni ist doch auch nutzlos und wie schon erwähnt, Freunde sowieso (ich bedanke mich für diesen Gedankenfluss sowieso bei jenen, die es mir gegenüber zu erwähnen trauten…) und die Liebe, ach wir wissen doch alle, dass es sie nur damals gab, als unsere Eltern so alt waren wie wir, und dann haben sie sie aufgegessen und unter sich verteilt, und was übrig blieb ist gar nichts, und das haben wir auch davon. Und überhaupt, unsere Generation ist ja bekanntlich eine Verschwendung von den Höhepunkten, die das Leben zuvor hatte, und vorzuweisen haben wir sowieso nichts, und zu demonstrieren traut sich ja keiner, und in hundert Jahren lacht die dann-zeitige Welt ja bloß über uns…
Hört auf mich aufzuwecken! Schlafen kann ich gut.
Fluchen wollte ich, aber ich wurde doch so gut erzogen! Ich rauchte eine Zigarette (als ob dies Teil meiner guten Erziehung wäre) und traute mich nun doch darüber zu reflektieren, denn vorbereitet zu sein ist sicher die hervorstechende Präferenz. Oder nicht? Keine Ahnung. Unsere Eltern werden alt, hat er gesagt, und sie hat genickt! Alles Verräter… wozu hat man überhaupt noch Freunde, wenn sie nicht mehr dazu dienen, einen blind zu halten im Angesicht einer schaurigen Enthüllung? Wir sollten sie öfters besuchen, öfters anrufen, ihnen öfters unsere Liebe entgegenbringen; sie nicht so häufig anschreien, nicht wütend auflegen, nicht die Augen rollen… Ich nahm mir ein paar Jugendbilder meiner Mutter in die Hand, und fühlte die Jahre, die zwischen uns lagen. Ernsthaft, ich musste mich nicht einmal auf die Kleidung fokussieren, denn ihren Augen leuchteten mit einem gewissen Etwas, dass ich nie in echt gesehen habe; kindliche Freude, das Dasein-Ohne-Kind. Ihre Freundin auf dem Bild hat sie auf der Uni kennen gelernt, und jetzt weiß sie nicht wo sie wohnt - Kontakt haben sie seit circa dreißig Jahren nicht mehr gehabt. Dabei waren sie doch genau wie wir (!): rauchen, Uni, lachen, tanzen, versprechen, und die Welt mit allen momentanen Gegebenheiten als selbstverständlich sehen. Dann kam dies, und jenes, und plötzlich geht man auf die sechzig zu und spricht vom 'Jungbleiben'. Ich will nicht daran denken, denn ich bin jung und habe mir bis jetzt immer eingebildet, meine Zukunft, inklusiv altern, problemlos akzeptieren zu können, freudig zu erwarten, ihr sachte entgegen zu schlendern. Jungsein ist schön, es ist schwerelos, es ist so derartig präsent, dass wir es doch gar nicht in Frage stellen müssen/wollen, oder? Vor allem die jetzige Generation, verhüllt in der konstanten Ambivalenz des Bindungswahns: wir denken bis übermorgen, dort wo unsere Diplome noch wichtig sind, bis da drüben, wo wir ja nicht inakzeptabel wirken möchten. Wir denken schon, keine Angst, doch nicht an unsere Eltern, denn wir möchten nicht wahrnehmen, dass unsere Mütter irgendwann nicht am anderen Ende der Leitung sein werden, um unsere Klagen zu empfangen, und unsere Väter werden ja wohl niemals zerbrechlich sein! Welch lächerliche Einbildung.
Aber wenn es doch tatsächlich eine Zeit gab wo unsere Eltern so waren wie wir, so sorgfrei (lasst es uns zugeben…) und lustig, so Sexbesessen und 'jung', dann muss extrem viel Zeit vorbeigeflogen sein, und sie lauert dann auch sicher irgendwo und wartet auf eine Angriffsmöglichkeit. Sie wird herausspringen und uns allen in unserer egozentrischen Existenz anspucken, lachen, uns zum stolpern bringen und danach kopfschüttelnd in der Ecke Platz nehmen, um zu sehen wie wir von nun an vorwärts kommen. Ich möchte aber nicht angespuckt werden - wie grauselig! Steht man dazwischen irgendwann nachts auf und ertappt die Zeit, wie sie herumlungert und die Jahre vorspult? Erkennt man dann im Halbschlaf oder im Suff, wie sie uns hinterher spioniert, oder nicht? Ich will's wissen, und zwar jetzt sofort, denn in zehn Jahren bin ich doch erst Mitte dreißig, da können meine Eltern noch nicht alt sein, da brauch ich die ja noch, eventuell zum Babysitten oder zum mir Geld leihen. Ich will wissen in welchem Ausmaß die Traurigkeit mich überfallen wird, wenn ich meine Jugendbilder anschaue, und ob ich mich inmitten der ganzen Nostalgie trauen werde, sie überhaupt irgendjemandem zu zeigen, der nicht genau so viele Falten hat wie ich.
Ich fluchte doch, und rief meine Mutter unter Tränen an, schluchzte dass ich sie doch so liebe und möge sie mich bitte nicht so bald verlassen? Welche Drogen nimmst du, schrie sie zurück und ich brachte keine Wörter raus, denn wenigstens war sie ja noch da! Und bei Sinnen genug um mit mir zu reden, welch Glück! Welch Glück… ich legte auf und weinte weiter, denn das Jetzt war mir nun doch allzu kurz und zeitverwandt, ich will mich nicht in einer anderen Konstellation wiederfinden, die Uni ist doch auch nutzlos und wie schon erwähnt, Freunde sowieso (ich bedanke mich für diesen Gedankenfluss sowieso bei jenen, die es mir gegenüber zu erwähnen trauten…) und die Liebe, ach wir wissen doch alle, dass es sie nur damals gab, als unsere Eltern so alt waren wie wir, und dann haben sie sie aufgegessen und unter sich verteilt, und was übrig blieb ist gar nichts, und das haben wir auch davon. Und überhaupt, unsere Generation ist ja bekanntlich eine Verschwendung von den Höhepunkten, die das Leben zuvor hatte, und vorzuweisen haben wir sowieso nichts, und zu demonstrieren traut sich ja keiner, und in hundert Jahren lacht die dann-zeitige Welt ja bloß über uns…
Hört auf mich aufzuwecken! Schlafen kann ich gut.
Abonnieren
Posts (Atom)